Seit Jahrzehnten prägt ein Künstler einige der bekanntesten Charakterdesigns von Capcom — ohne dass jemals öffentlich bestätigt wurde, wer er wirklich ist. "Bengus" ist ein Künstlername, und der Mann dahinter hat seine gesamte Karriere darauf verwendet, dass das so bleibt. Selbst Gaming-Medien, die über ihn berichtet haben, nennen ihn "ein bisschen ein Rätsel" — ihn aufzuspüren sei deutlich schwerer, als man bei jemandem mit diesem Einfluss erwarten würde.
Verschiedene Online-Quellen nennen "Naoto Kuroshima" als seinen echten Namen, bestätigt hat Bengus das aber nie selbst. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte er mehrfach den Künstlernamen — Mido Shiito, CRMK, Holy Homerun — und arbeitet seit 2009 größtenteils als "Gouda Cheese", meist an Animationsprojekten. Selbst "Bengus" soll eine Hommage an AC/DC-Gitarrist Angus Young sein, den er neben Iron Maiden, Ramones und Black Sabbath als großen Einfluss nennt.
Fest steht dagegen die Arbeit selbst: Bengus kam 1992 zu Capcom und bekam schon wenige Jahre später die Hauptillustrator-Rolle für Darkstalkers übertragen — ungewöhnlich viel Verantwortung für jemanden, der im Studio noch relativ neu war, die sich auszahlte, als die Serie zum Hit wurde. Er prägte danach den Look der Street Fighter-Alpha-Reihe, malte Akumas Porträt-Artwork für Street Fighter III: 2nd Impact und formte die visuelle Identität der frühen Marvel-vs.-Capcom-Spiele. In einem seltenen Interview von 1995 antwortete er auf die Frage nach seinem Hintergrund knapp: "Ich komme aus Tokio." Viel persönlicher wird es in öffentlich zugänglichen Quellen über ihn nicht.
Jahrzehnte später ist sein Einfluss noch immer bei nachfolgenden Künstlern sichtbar — Comic-Illustratoren wie Joe Madureira und Humberto Ramos haben sich auf seine Arbeit berufen, und Overwatch-Charakterdesigner Arnold Tsang nennt ihn als Inspiration. 2020 wirkte er zudem an Capcoms Ausstellung mit, die die eigenen Charakterdesigner den Werken von Manga-Legende Osamu Tezuka gegenüberstellte. Durch all das hindurch soll er weiterhin auf altmodische Werkzeuge setzen — Liquitex-Farben, Marker und normales Kopierpapier — während der Rest der Branche längst digital arbeitet.
In einer Branche, in der Künstler zunehmend öffentliche Personas neben ihrer Arbeit aufbauen, macht Bengus seit über 30 Jahren das Gegenteil. Fans kennen die Linienführung, die Charakterdesigns, die visuelle DNA, die er einigen der langlebigsten Casts der Fighting-Game-Geschichte gegeben hat — nur eben nicht die Person dahinter. Genau diese Lücke ist, auf ihre Art, mit ein Grund, warum der Name Bengus Jahrzehnte später noch die Runde macht.
