Shigeru Miyamotos Aussagen zum Mythos des "einsamen Genies" in einem aktuellen Interview sind für ihn keine neue Position — er widerspricht dieser Erzählung schon seit Jahren. Der Zeitpunkt ist trotzdem bemerkenswert: Mit 73 Jahren prägt Nintendos bekanntester Designer noch immer aktiv mit, wie seine eigene Geschichte erzählt wird.
Miyamoto kam 1977 zu Nintendo, nachdem er den damaligen Präsidenten Hiroshi Yamauchi mit selbstgebauten Spielzeugen beeindruckt hatte — obwohl er eigentlich Manga-Zeichner werden wollte und Industriedesign studiert hatte, nichts, was auch nur entfernt mit Spieleentwicklung zu tun hatte. Nintendo war damals ein kriselndes Spielkarten-Unternehmen auf dem Sprung in die Spielhallen, und der erste US-Anlauf, ein Arcade-Automat namens Radar Scope, war krachend gescheitert. Miyamoto bekam den Auftrag, die unverkauften Radar-Scope-Geräte in etwas Verkaufbares zu verwandeln — das Ergebnis war Donkey Kong (1981), das Spiel, das einen fassspringenden Zimmermann namens Jumpman einführte, später umbenannt in Mario. Donkey Kong brachte nicht nur zwei der bekanntesten Figuren der Spielegeschichte hervor, es rettete vermutlich Nintendos gesamtes Videospielgeschäft in einem Moment, in dem für einen weiteren Fehlschlag kein Spielraum mehr geblieben wäre.
Es folgten Super Mario Bros. 1985 und The Legend of Zelda 1986, beide entwickelt unter der Creative Department, die Miyamoto leitete — später umbenannt in Nintendo EAD, danach in Nintendo EPD, jene interne Studio-Struktur, aus der seither der Großteil von Nintendos eigenen Spielen stammt. Miyamoto leitete diese Abteilung als General Manager von 1984 bis 2015, parallel zu Titeln wie Star Fox, F-Zero und Pikmin.
Das "kein einsames Genie"-Argument hat tatsächlich einen konkreten Bezug zu seiner Karriere: Als Nintendo-Präsident Satoru Iwata 2015 überraschend starb, übernahm Miyamoto während der Übergangsphase kommissarisch die Präsidentschaft — eine Rolle, die ihn vorübergehend an die tatsächliche Spitze eines Unternehmens stellte, das fast vollständig auf der Arbeit der Teams beruht, die er über Jahrzehnte aufgebaut und geleitet hat. Sein offizieller Titel heute lautet Representative Director und Fellow, ein Schritt zurück aus dem Tagesgeschäft, aber weiterhin eine der ranghöchsten Positionen im Unternehmen. Spiele aus den von ihm geschaffenen Franchises haben zusammen über eine Milliarde Mal verkauft — Zahlen, die dem "Team statt einsames Genie"-Argument ein ganz anderes Gewicht geben, wenn sie ausgerechnet von der Person kommen, deren Name am engsten mit all dem verknüpft ist.
